VERANSTALTUNGSEMPFEHLUNG

[Flyer: Zeitzeuginnen-Veranstaltung Marika Venezia

Eingeladen haben wir die in Rom lebende Marika Venezia, die 56 Jahre an der Seite von
Shlomo Venezia verbrachte und mit ihm eine Familie gründete.

Shlomo wurde im April 1944 von Griechenland nach Auschwitz deportiert und dort dem
sogenannten „Sonderkommando“ zugeteilt. Er wurde gezwungen in den Krematorien
von Birkenau zu arbeiten und wurde zu einem der wenigen Zeugen, welche die Massenmorde
in Auschwitz-Birkenau überlebten und auch darüber berichteten (berichten konnten).
Shlomo Venezia starb am 1. Oktober 2012 im Alter von 88 Jahren.

Marika wird darüber berichten wie das Trauma ihres Mannes auch ihr Leben prägte und
in welcher Form es an die nächsten Generationen weitergegeben wurde.

KOMMT ALLE !!!

Das „Sonderkommando“

Die Häftlinge des „Sonderkommandos“ wurden von der SS dazu gezwungen,
die Menschen in die Gaskammern zu führen, die Leichen auszuplündern und
diese anschließend zu verbrennen. Die SS setzte jüdische Häftlinge für
diese Aufgabe ein, nicht nur, um ihre eigenen Leute nicht einer
psychischen Belastung auszusetzen. „Juden mussten es sein, die die Juden
in die Verbrennungsöfen transportierten, man musste beweisen, dass die
Juden, die minderwertige Rasse, die Untermenschen, sich jede Demütigung
gefallen ließen und sich sogar gegenseitig umbrachten“, so der
Auschwitz-Überlebende Primo Levi. Angehörige des „Sonderkommandos“
wurden vom übrigen Lagerkomplex isoliert in den Krematoriumsgebäuden
untergebracht. Diese Maßnahme sowie die Ermordung und der Austausch von
Häftlingen des „Sonderkommandos“ dienten dazu, den Massenmord möglichst
lange zu vertuschen. Nur wenige Angehörige des „Sonderkommandos“
überlebten, neben ihren Berichten wurden in der Nachkriegszeit auf dem
Lagergelände auch versteckte Aufzeichnungen gefunden, die das grausame
Mordgeschehen dokumentierten und von später ermordeten Häftlingen des
„Sonderkommandos“ als Akt des Widerstands hinterlassen worden waren. Am
7. Oktober 1944 kam es zu einem Aufstand des „Sonderkommandos“, bei dem
drei SS-Männer und ein Kapo getötet, zwölf SS-Männer verletzt und Teile
des Krematoriums IV und der dazugehörigen Gaskammer zerstört wurden.
Weibliche Häftlinge hatten den benötigten Sprengstoff aus einer
Munitionsfabrik, in der sie Zwangsarbeit verrichteten, ins Lager
geschmuggelt. Doch die Fluchtversuche der Häftlinge im Rahmen des
Aufstands scheiterten, 450 Angehörige des „Sonderkommandos“ wurden
getötet, Unterstützer_innen hingerichtet. Kaum eine/r von ihnen hatte
tatsächlich an ein Überleben zu hoffen gewagt, der Aufstand war ein Akt
des Widerstands und der Selbstbehauptung sowie ein Versuch, möglichst
vielen anderen Häftlingen das Leben zu retten. Und er hatte auch den
„nicht-jüdischen Schicksalsgenossen gezeigt, was Juden zu tun
vermochten“, so Israel Gutman. Durch ihre Aktion hatten die Männer des
Sonderkommandos und ihre Unterstützer*innen die sich für unbesiegbar
haltende Mordmaschinerie des NS ins Wanken gebracht, anderen Häftlingen
Mut gemacht und wahrscheinlich vielen zum Überleben verholfen.